Bondage Shiatsu

Faszinierende Variante einer altehrwürdigen Körperarbeit

Im Kontext von Bondage – Shiatsu steht das Bondage für die Verwendung eines Seiles im weitesten Sinne. Das Seil kann Hilfsmittel für klassische Shiatsu – Techniken sein. Beispielsweise Mobilisationen oder Lockerungen. Es kann darüber hinaus eine Fülle von sensorischen Sensationen auf der Haut und im Körper erzeugen und, na klar kann man mit einem Seil fesseln.

Mit dem Bondage wird die Sache komplex

Auf körperlicher Ebene passiert mehr als wir kognitiv mitverfolgen können. Die Rezeptoren in den Faszien melden Berührung nicht nur von dort, wo Hände berühren. Sie melden Berührung von überall wo ein Seil ist und die Signale rasen in´s Gehirn und mal ist es schön und komfortabel und mal ist es unbequem. Das alles muss verarbeitet werden – oder eben nicht. Passieren lassen ist angesagt. Zu gleicher Zeit werden die Propriozeptoren nicht fertig damit, Informationen über Körperhaltung, Bewegung und Positionierung im Raum zu senden – keine Chance mehr mitzudenken.

Körperlich gefesselt zu sein, erleichtert mir das kognitive Loslassen.“ Mit diesem Satz im Nachgespräch einer Session hat Mara die Sache für sich auf den Punkt gebracht. Und da wäre noch mehr:

Dann auch noch dieser innere Disput: Darf ich das, will ich das, bin ich pervers? Das ist alles viel zu viel. Deshalb Kopf aus. Deshalb der kognitive Knock out, den Mara im Zitat oben beschreibt. Wenn der Kopf aus ist, wenn das Alltagsbewußtsein raus ist, dann kommen wir endlich mit den wirklichen Themen in Kontakt. Freiheit, Enge, Vertrauen, Kontrolle, Widerstand, Hingabe, Genuß, Schmerz, Wut, Liebe, Glückseeligkeit und über allem steht ganz groß das (Erde – bezogene) Thema Geborgenheit. Das ist es, was sich am aller häufigsten zeigt: In dem Gehalten sein, im Bewegt sein, in der Obhut einer kompetentenen Person, mit der Garantie so klein werden zu können und so groß werden zu können wie immer das eigene Ich es gerade haben will. Die Aufzählung zeigt: Es sind eher die elementebezogenen Themenkomplexe, als beispielsweise das Behandeln der Meridianverläufe, was das Bondage – Shiatsu ausmacht.

Meridianbehandlungen im Shiatsu
Bondage - Shaitsu am Kopf
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Im klassischen Shiatsu sind Meridianbehandlungen das Non + Ultra. Meridianverläufe beim Fesseln focussieren zu wollen, würde aber das Fesseln schnell zu einer Ingenieurleistung werden lassen und dann wäre es kein Shiatsu mehr. Die Absicht (schon das dann kein Shiatsu mehr, denn Shiatsu ist absichtsfrei), einem Meridianverlauf entsprechend das Fesselwerk zu komponieren, würde Aufmerksamkeit binden und die Session könnte ins Stocken geraten. Shiatsu will aber frei fließen, aus dem Bauch raus und intuitiv, wie das Wasser, das weiß, dass es nicht falsch fließen kann.

Akupressurpunkte

Die klassischen Akupressurpunkte hingegen können sehr wohl eine Rolle spielen. Im Bondage – Shiatsu, wenn beide Beteiligten im Flow sind, finden die Seile ihre Lage wie von selbst und findet der Körper seine Position wie von selbst und dann kommt es vor, dass relevante Punkte sich zeigen und auf´s vortrefflichste in die Session involviert werden können.

Shibari oder Shiatsu

Bondage – Shiatsu

Bedeutet also Shiatsu am gefesselten Körper? Ja, richtig.

Und bedeutet es auch, der Philosophie von Shiatsu folgend zu fesseln, so dass das Fesseln selbst zum Shiatsu wird? Ja, auch richtig.

Bondage – Shiatsu kann auch bedeuten gar nicht zu fesseln, sondern mit dem Seil zu bewegen, zu halten und zu berühren? Auch das ist richtig!

Und kann man auch einfach fesseln, ohne dabei an Shiatsu zu denken? Ja klar kann man das. Shiatsu vollzieht sich sowieso nicht durch denken. Shiatsu geschieht durch verinnerlichte Haltung, durch Präsenz und durch geschulte Intuition. Das alles ist schwer auszuschalten, wenn man „nur“ fesseln möchte, ohne Shiatsu zu machen. Steht aber einmal überhaupt keine Ambition für Shiatsu im Raum, dann sei an einen Satz von meinem Shiatsulehrer Harald Gierl erinnert:

„Manchmal ist kein Shiatsu mehr Shiatsu als Shiatsu“

Manchmal ist jemand so aufgeregt, vielleicht weil die Person noch nie gefesselt worden ist, und ist so auf die Seile fixiert, dass sie an gar nichts anderes möchte als zu fesseln und dann ist es sinnvoll zu fesseln. Und immer weiter zu fesseln. Irgendwann wird es dann gut sein und die Person entspannt sich und hat eine Menge sensorischer, emotionaler, neurologische und endokriner Sensationen gehabt. Dann wird ist es Zeit sein und der Raum öffnet sich dafür, Shiatsu zu machen. Dann ist das Shiatsu ein After Care nach dem Fesseln und es hilft, das Erlebte zu integrieren.

Dauer: 60 Minuten, rechne mit 90 Min inkl. Vor- und Nachgespräch. Kosten: 75€

Practitioner: René Z. / Berlin

Mehr Informationen über Shiatsu gibt es auf www.shiatsusonne.de Infos über Shibari gibt es hier auf www.qibari.de/shibari/